SOLIDARITÄT MIT DEN ARBEITERiNNEN BEI BOESNER KÖLN!
Mit erfolgreichen Versuchen, die Belegschaft zu beeinflussen, konnte die Geschäftsleiterin, Carmen Gieselmann, im Januar 2008 eine Betriebsratsgründung bei Boesner Köln (Künsterbedarfs-Groß- und Einzelhandelskette) abwenden.
Der Paragraph 119 des Betriebsverfassungsgesetzes (D) stellt zwar jegliche Beeinflussung einer Betriebsratswahl unter Strafe. Das kümmerte Frau Gieselmann allerdings wenig. Sie setzte zwei außerordentliche Betriebsversammlungen nach Feierabend an, auf denen sie - flankiert von ihren Günstlingen - die Belegschaft mit Drohungen und rhetorischen Manövern in die Ecke trieb und unter Rechtfertigungsdruck setzte.
Es gab im wörtlichen Sinne Geschrei und Geheule. Zudem wurden Beschäftigte in Einzelgesprächen unter Druck gesetzt. Die massive Einflussnahme verfehlte ihre Wirkung nicht. Der aktive Teil der Belegschaft zog die Betriebsratswahl entnervt zurück, nachdem eine zunächst sicher scheinende Mehrheit abschmolz.
Folgende Negativ-Konsequenzen stellte die Geschäftsleitung im Falle einer Betriebsratsgründung in Aussicht:
- Samstagsarbeit (bislang blieb die Filiale samstags geschlossen)
- Streichung des bislang kostenfreien Mittagessens
- Streichung des Weihnachtsgeldes
Unter anderem wurde die Begründung lanciert, eine Betriebsratsgründung sei so kostspielig, dass die anfallenden Kosten durch oben genannte Maßnahmen kompensiert werden müssten. Bei Boesner arbeiten ca. 25 abhängig Beschäftigte, ein Betriebsrat hätte also 3 Mitglieder gehabt.
Es mutet wie ein schlechter Witz an, dass nun als Belohnung für den Rückzug der Belegschaft von ihren wenigen demokratischen Rechten genau jener Fall eintritt, der als Reaktion auf die Betriebsratsgründung angekündigt war: nämlich die Samstagsarbeit.
Ab dem ersten Samstag im Juni 2008 müssen nun auch die Beschäftigten der bei Boesner im Industriegebiet Köln-Braunsfeld/Vogelsang zur Samstagsarbeit antreten.
Aus zumindest zwei Gründen sind Proteste von Gewerkschaften und politisch aktiven Menschen gegen die Unternehmenspolitik bei Boesner wichtig:
1. ArbeiterInnenrechte
Die Einschüchterung der Belegschaft u.a. mit persönlichem Druck, falschen Behauptungen und juristisch nicht haltbaren Konsequenzen zur Verhinderung einer Betriebsratsgründung darf nicht unkommentiert bleiben.
2. Kampf gegen längere Arbeitszeiten
Man könnte als Argument für die Samstagsarbeit ins Feld führen, dass so neue Arbeitsplätze geschaffen würden. Weit gefehlt! Boesner Köln stellt - so wie es bislang aussieht - weder neue Leute ein, um den Samstag abzudecken, noch werden massiv Überstunden eingeplant. Wie geht das? Die Arbeit wird intensiviert. Die Samstagsschicht soll in der folgenden Woche mit einem freien Tag abgefeiert werden. Das bedeutet: An vielen Tagen stehen z.B. an der Kasse in Zukunft statt fünf Leuten nur noch vier Leute. Wenn einer Urlaub hat, sind es nur noch drei und wenn noch einer krank wird ...
Zwar ist Samstagsarbeit im Groß- und Einzelhandel die absolute Regel; gerade deswegen halten wir einen Kampf gegen ständige Verlängerungen der Arbeitszeiten in dieser Branche für absolut notwendig. Rettet das freie Wochenende!
Wir, die Anarchosyndikalistischen Gewerkschaften LISA - FAS und das Allgemeine Syndikat Wien - FAS, folgten dem Protestaufruf der Industrial Workers of the World (IWW), Ortsgruppe Köln und protestieren am Samstag dem 7.6.08 zeitgleich mit ihnen in der Wiener Filiale in Simmering. Wir informierten die ArbeiterInnen und KundInnen der Wiener Filiale über die Machenschaften der Kölner Filiale und verteilten Flugblätter und Vorlagen für Protestbriefe. Im Gespräch mit den ArbeiterInnen erfuhren wir das es auch in der Wiener Filiale keine gewerkschaftlichen Strukturen gibt. Die Aktion wurde sowohl von den ArbeiterInnen als auch von den KundInnen Interessiert aufgenommen.
Weitere Aktionen fanden unter anderem in Graz , Berlin, Frankfurt statt.
in Solidarität mit der befreundeten IWW Köln (www.wobblies.de) denn:
Ein Angriff auf EineN ist ein Angriff auf Alle!


