Kämpfe im Bildungsbereich in ganz Europa I
Hier die Übersetzung eines Flugblatts der CNT-F zum Streik der Forschungs- und BildungsarbeiterInnen in Frankreich
Es ist an der Zeit gemeinsam zu handeln!
Seit dem 2. Februar 2009 ruft der nationale Koordinierungsausschuss der Universitäten die forschenden Lehrkräfte zum unbefristeten Streik auf. Die Bewegung, zu welcher seit kurzem auch die IUFM (Universitäre Institute zur Ausbildung der LehrerInnen) gehört, dehnt sich aus. Die
Anwendungen des LRU-Gesetzes, das so genannte „Autonomie“- Gesetz für die Universitäten, wirken schon heute und heißen: Absolute Macht der Universitätspräsidenten, Managementkriterien für die Uni-Leitung, Infragestellung der Unabhängigkeit der Forschenden, Zerstörung der Ausbildung des Lehrpersonals (Abschaffung der IUFM) und – das Tüpfelchen auf dem i – die Ankündigung des Abbaus von 900 Arbeitsplätze. Jede einzelne Maßnahme Grund genug zu sagen:
Es reicht! Die Bewegung gegen das LRU, welche die Studierenden letztes Jahr begonnen haben, wurde von den Lehrern und Lehrerinnen nicht oder nur sehr wenig unterstützt, obwohl sie aus den gleichen Gründen kämpfen. Es ist nicht zu spät: Die Vollversammlungen der LehrerInnen und StudentInnen müssen vereinigt werden und die Forderungen des Nichtlehrenden-Personals übernommen werden. Dieses kennt wirtschaftliche Ausbeutung und Unterdrückung schon lange.
Standesdenken und Kämpfe nach dem Motto „Jeder ist sich selbst der Nächste“ schwächen uns und sind verantwortlich für ein schlechtes Kräfteverhältnis, welches die Ausgebeuteten wiederum entmutigt. Die branchenbedingten Forderungen sind natürlich notwendig, trotzdem sind die Übereinstimmungen der Kämpfe, die Solidarität und die berufsübergreifende Union das einzige passende und wirksame Mittel, den Staat und die Arbeitgeberschaft zu besiegen. Staat und
Arbeitgeberschaft sind sich einig, haben ihr Klassenbewusstsein und wollen unsere, durch den Kampf erreichten, sozialen Errungenschaften zerstören! Wer profitiert von ihren Reformen? Der Staat verteilt Milliarden Euros an die Arbeitgeber, welche nichtsdestotrotz tausende von ArbeiterInnen entlassen und in die Arbeitslosigkeit schicken. Wir müssen uns gemeinsam in den Universitäten organisieren, uns mit den anderen Sektoren solidarisieren und unsere Kämpfe koordinieren, denn unsere Interessen sind die Gleichen! Wir müssen uns in berufsübergreifenden Vollversammlungen organisieren, dort unsere Entscheidungen fällen, damit alle nach ihren Möglichkeiten am Kampf teilnehmen können, weil der Kampf für alle ist und weder Spezialisten
noch Bürokraten braucht, um erfolgreich zu sein. Blockieren wir die Wirtschaft, die Bahnhöfe... damit unsere Forderungen erfüllt werden, und auch die der kämpfenden Genossinnen und Genossen!
DIE FORSCHUNG, DIE WIR FORDERN!
Die CNT unterstützt alle konkreten Versuche, die eine Forschung und eine Bildung im Dienste aller fördert. Dazu gehört: Schluss mit der Privatisierung der Forschung, für die Entwicklung freier Software, freier Zugang zu den Ergebnissen der Forschung, Schaffung von Volksuniversitäten, Zugang zu Wissen für alle und ein Leben lang, nicht-hierarchische Selbstverwaltung der Forschungsteams und der Labors, kostenlose Publikationsmöglichkeiten der freien Archive... Das
ist aber nicht genug, denn das kapitalistische System macht alles, um die Entwicklung dieser Initiativen zu verhindern. Nur Kampf und kollektive Organisation ermöglichen eine starke Position im momentanen Kräfteverhältnis, damit wir bekommen, was wir wollen:
_Eine selbstverwaltete Universität und Forschung, in welcher demokratisch über ihre Ziele und ihre Orientierung bestimmt und entschieden wird durch eine gewählte Kommission, die aus der
studentischen und akademischen Welt hervorgeht.
_Keine prekäre Arbeit oder Leiharbeit. Für eine qualitativ wertvolle Universität und Forschung
braucht es sichere Arbeitsplätze! Geld dafür ist vorhanden, nehmen wir es uns!
_Übertragung des militärischen Budgets: Das Ende der militärischen Forschung würde riesige Geldsummen für die nicht-tödliche Forschung frei machen.
_Abschaffung der „Forschung-Kredit-Steuer“: Dieses System ist skandalös! Es ermöglicht, dass den privaten Unternehmen die Hälfte der Forschungskosten zurückgezahlt wird. 3,5 Milliarden Euros im Jahre 2008! Und jedes Jahr 600 Millionen Euro dazu...
_Abschaffung der „Agences pour l'innovation“ (AII, Agenturen für Innovation): Der riesige Geld-Fonds des AII zeigt wie öffentliche Gelder unterschlagen werden und Projekten der industriellen Welt zu gute kommen.
(Flugblatt der CNT-F)




